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Entzündung von Scheide und äußeren Geschlechtsorganen

Geschrieben von: Dr. med. Herbert Renz-Polster, Dr. med. Nicole Menche, Dr. med. Arne Schäffler
Dienstag, den 07. Oktober 2008 um 12:13 Uhr
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Entzündung von Scheide und äußeren Geschlechtsorganen
Das Wichtigste aus der Medizin
Das macht der Arzt
Möglichkeiten der Naturheilkunde
Vorsorge
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Entzündungen von Scheide und äußeren Geschlechtsorganen (= Kolpitis bzw. Vulvitis) treten gehäuft nach der Pubertät auf, sind aber prinzipiell in jedem Alter möglich. Rechtzeitig behandelt, sind sie in aller Regel nach ein paar Tagen wieder vorbei.

Leitbeschwerden

  • Jucken, Brennen und »Wundgefühl« im Bereich von Scheide und den äußeren Geschlechtsorganen
  • Brennen beim Wasserlassen
  • Haut im Genitalbereich gerötet und geschwollen, möglicherweise nässend, möglicherweise mit Pusteln oder Bläschen
  • Gelblicher, grünlicher oder blutiger Scheidenausfluss, möglicherweise übel riechend

Wann zum Arzt

Heute oder morgen, wenn

  • Ihre Tochter über Scheidenjucken oder »Wundsein« klagt.
  • Sie bei Ihrer Tochter eine Rötung der äußeren Geschlechtsorgane, möglicherweise mit Bläschen, oder abnormen Scheidenausfluss (siehe unten) beobachten.

Das Wichtigste aus der Medizin

Anatomie der weiblichen Geschlechtsorgane
Das Bild zeigt einen Schnitt durch das weibliche Becken bei der erwachsenen Frau. Beim Kind sind Gebärmutter, Eierstöcke und Scheide noch so klein, dass sie auf einer maßstabsgerechten Zeichnung kaum zu erkennen wären. Erst mit der Pubertät bilden sich dann die gezeigten Proportionen heraus.
[GRA]

Ist Ausfluss bei kleinen Mädchen immer Zeichen einer Erkrankung?

Wie bei erwachsenen Frauen so ist auch bei Mädchen nicht jeder Scheidenausfluss krankhaft.

Bei neugeborenen Mädchen wirken die mütterlichen Hormone noch nach. Deshalb ist in den ersten 2–3 Lebenswochen ein weißlicher, geruchloser Ausfluss bis hin zu einer leichten Blutung normal. Danach nimmt die Sekretmenge deutlich ab und bleibt bis zum Beginn der Pubertät minimal. Mit etwa 9–10 Jahren macht sich dann die nun steigende Hormonproduktion bemerkbar und führt zu einem glasig-weißlichen, geruchlosen Ausfluss, der oftmals erstes Zeichen der nahenden Pubertät ist.

Wie können sich Scheide und äußere Geschlechtsorgane entzünden?

Manche Ursachen sind altersunabhängig. Eine recht häufige Ursache von Infektionen der Scheide und der äußeren Geschlechtsorgane ist die falsche Säuberung nach dem »großen Geschäft«. Wischen von vorn nach hinten ist hier das A und O. Durch Wischen von hinten nach vorn werden Darmkeime zum Scheideneingang verschleppt und können dort zu einer Entzündung führen. Zu häufiges Waschen, zu lange (Schaum-)Bäder und zu viel Seife tun der Haut in der Genitalregion ebenfalls nicht gut. Auch die verschiedensten Unverträglichkeiten, wie etwa gegen zu enge Synthetikhöschen, Weichspüler oder Duschbäder, können sich durch eine Reizung der Genitalhaut zeigen.

Andere Ursachen sind altersabhängig. Bei Babys kann sich eine Windeldermatitis weit nach vorne ausbreiten und so zur Entzündung der äußeren Geschlechtsorgane führen. Auch Pilzinfektionen sind in diesem Alter verhältnismäßig häufig.

Ab dem Kleinkind- bis ins Schulalter hinein treten diese Ursachen in den Hintergrund. Pilzinfektionen kommen dann besonders nach Antibiotikabehandlung vor und sind ansonsten selten. Häufiger ist die Entzündung nun durch mechanische Reizung bedingt – bezeichnend ist der Begriff Sandkastenvulvitis. Fremdkörper in der Scheide, von Toilettenpapierresten bis zur aus Forscherdrang in die Scheide gesteckten Murmel, sind ebenfalls häufig. Auch Madenwurmbefall kann das Jucken erklären, denn die Weibchen verlassen nachts den Darm, um ihre Eier abzulegen und können dabei nach vorne bis zur Scheide wandern.

In der Pubertät gehen dann Pilze wieder besser »an«, aber ebenso Bakterien. Mit Aufnahme sexueller Kontakte kommen schließlich auch solche Keime vor, die nur durch Geschlechtsverkehr übertragen werden, etwa Trichomonaden, Herpes-Viren (Typ 2) oder Chlamydien.


Das macht der Arzt

Der Arzt wird das Mädchen vorsichtig untersuchen (es gibt ganz kleine Instrumente speziell für die gynäkologische Untersuchung bei Kindern), um Fremdkörper in der Scheide festzustellen und ggf. zu entfernen. Möglicherweise entnimmt er einen Abstrich, um den Krankheitserreger genau bestimmen zu können.

Oft reichen die Behebung der Ursache und die unten beschriebenen naturheilkundlichen Verfahren oder desinfizierende Medikamente (z. B. Betaisodona®) aus, um die Entzündung zum Abheilen zu bringen. Ansonsten verschreibt der Arzt antibiotikahaltige Salben oder Scheidenzäpfchen oder ein entsprechendes Mittel gegen Pilze (sie auch Soor). Manchmal können Hormonsalben oder Milchsäurepräparate sinnvoll sein, um die Scheidenschleimhaut widerstandsfähiger zu machen. Antibiotikasäfte oder -tabletten sind nur selten notwendig.

So helfen Sie Ihrem Kind

Viel Luft, wenig Feuchtigkeit und wenig Reibung tun der Haut gut – also kleine Kinder wenn möglich mal ohne Windeln laufen lassen oder, wenn dies noch nicht geht, die Windeln häufiger als sonst wechseln. Auch die Kleidung sollte unter diesem Aspekt ausgewählt werden, wobei sich das Mädchen meist melden wird, da scheuernde Kleidung auf entzündeter Haut sehr unangenehm ist.

Waschlappen und Handtuch sollten Sie täglich wechseln.


Möglichkeiten der Naturheilkunde

Beschleunigt werden kann die Heilung durch Sitzbäder mit einem Zusatz aus Eichenrinde, Hamamelis, Ringelblumen oder Kamille, die 2- bis 3-mal täglich über zehn Minuten durchgeführt werden. Sie können hier auch auf entsprechende Extrakte aus der Apotheke zurückgreifen. Nach dem Sitzbad tupfen Sie die Haut vorsichtig, aber sorgfältig trocken.


Vorsorge

Die beste Vorbeugung besteht in richtiger, aber nicht übertriebener Hygiene. Sie sollten Ihrer Tochter also früh zeigen, wie sie sich nach dem Toilettengang richtig abwischt. Ältere Mädchen sollten wissen, dass Intimdeos zwar vielleicht gut riechen, aber der Haut eher schaden. Auch Slipeinlagen vermitteln zwar ein Gefühl der Sauberkeit, können aber Unverträglichkeitsreaktionen hervorrufen und eine feuchte Kammer bilden (insbesondere solche mit Plastikfolie). Um die Haut möglichst trocken zu halten, empfiehlt sich lockere Baumwollunterwäsche.

Prinzipiell sollte die Kleidung (inklusive Jeans) nicht zu eng sein und nicht scheuern – auch wenn dies manchmal einen Kompromiss in puncto Mode erfordert.

Aktualisiert ( Donnerstag, den 19. November 2009 um 09:38 Uhr )